Wie man die Welt rettet – eine praktische Anleitung

Wie man die Welt rettet – eine praktische Anleitung

Warum sollte man überhaupt die Welt retten wollen? Ganz einfach: Man bekommt dadurch Instagram-Followers! Hey, wir sind soziale Kreaturen, don’t judge. So ist das nun mal im 21. Jahrhundert, wo die Kardashians bekannter sind als Einstein (ich musste auch erst googeln, der war wohl früher ne Berühmtheit).

Jetzt mal im Ernst: Am Ende wollen wir doch alle einfach nur glücklich sein. Und Gym, Netflix & Chill reichen anscheinend nicht aus. Wir wollen was Bedeutungsvolles machen – und was könnte mehr Bedeutung haben, als die Welt zu retten? So weit, so gut. Aber wie rettet man nun die Welt? Hier die kurze Antwort:

  1. Zuerst rettest du dich selbst.
  2. Dann baust du Kompetenzen auf.

Klimawandel stoppen, Armut beseitigen, Bildung für alle zugänglich machen – ganz egal, wie deine Rette-die-Welt-Variante aussehen mag, diese zwei Grundprinzipien sind immer die gleichen.

Warum musst du dich zuerst selbst retten? 

Es ist wie im Flugzeug, wenn die Sauerstoffmasken runterfallen: Erst ziehst du deine eigene Maske an, dann hilfst du der Omi neben dir. Anders ausgedrückt: Wenn du übergewichtig bist, Beziehungsprobleme hast und selbst dein Hamster dich kacke findet – vergiss erst mal die Welt und kümmere dich um dich selbst. Ich lehne mich mal aus dem Fenster: Die Welt zu retten ist ein klitzekleines bisschen schwieriger, als dein eigenes Leben auf die Reihe zu kriegen.

Und warum Kompetenzen aufbauen? 

Weil du kompetent sein musst, um Probleme zu lösen. Und je kompetenter du bist, umso größere Probleme kannst du anpacken. Ein Ritter, der nicht gelernt hat zu kämpfen, ist Kanonenfutter.

Ok, angenommen dein Leben hast du halbwegs im Griff. Wie baust du nun die Kompetenzen auf, die notwendig sind, um die Welt zu retten? Du fängst mit dem nächstgrößeren Kreis an.

Ich zeige das mal am Beispiel meiner vier besten Freunde, mit denen ich zusammen auf Bali lebe. Ich habe sie gefragt, was sie am aller meisten erfüllen würde im Leben. Wie im 21. Jahrhundert zu erwarten antwortete jeder von ihnen mit einer Variante des „Rette die Welt”–Motivs. Hier die Kurzfassung:

Markus, der Intellektuelle: Bildung ist für ihn das höchste Gut. Er würde gerne Bildung für alle Menschen zugänglich machen.

Alex, der Freediver und Lebemensch: Er liebt die Umwelt. Sein Traum ist es, die Meere von Plastik zu befreien.

Marius, der Sportler mit Herz für Kinder: Peter Maffay hat ihn inspiriert, der auf Mallorca eine Ranch für traumatisierte Kinder gebaut hat. Er würde gerne was „in der Richtung” machen.

Manu, der Rationale: Er würde gerne etwas Großes zurückgeben, hat aber keine Ahnung, was. Und er weiß auch nicht, wo er anfangen soll.

Aber warum haben sie noch nicht angefangen? Schließlich sind sie alle Anfang dreißig, stehen mitten im Leben und werden nicht von ihren eigenen Haustieren gehasst. Von allen kam sinngemäß die gleiche Antwort: „Wie soll ich das hinkriegen? Wo soll man da anfangen?” Sie haben sich alle die ganz großen Probleme vorgenommen. Das heißt, sie haben zuerst den größten Kreis gezogen. Und nun leiden sie unter Analyse Paralyse. 

Man rettet die Welt, indem man Kompetenzen aufbaut. Und Kompetenzen baut man auf, indem man den nächstgrößeren Kreis zieht.

Aber was bedeutet das genau? Was der nächstgrößere Kreis ist, hängt natürlich davon ab, wo man gerade steht. Schauen wir uns noch mal meine vier Freunde an.

 

Markus – Bildung für alle

Markus ist COO eines großen Online-Startups und eine echte Produktivitätsbestie. Statt gleich alle Bildungsprobleme der Welt auf einmal zu lösen, könnte er beispielsweise anfangen Kurse über Produktivität zu geben. Dafür müsste er zunächst eine kleine Online-Plattform bauen und seine Kurse dort anbieten. So würde er mehr über die Schwierigkeiten lernen, Bildung für alle verfügbar zu machen. Wenn er das gemeistert hat, kann er die Plattform erweitern, mit anderen Dozenten zusammenarbeiten, mehr Kurse zu verschiedenen Themen anbieten, die Reichweite ausbauen, das Marketingbudget vergrößern usw. Das Wichtigste ist, dass er kontinuierlich seinen Kompetenzbereich erweitert und immer größere Kreise zieht.

 

Alex – die Meere von Plastik säubern

Der kleinste Kreis wäre für ihn, erst mal das Problem umfassender zu verstehen: Als Erstes gilt es, das Plastikproblem zu verstehen – warum sind die Meere voller Plastik? Welche Alternativen zu Plastik gibt es? Warum werden diese nicht genutzt? Wer arbeitet schon dran? Hat er das Theoretische kapiert, dann kann er sich bei einer Organisation einbringen, die das Problem bereits angeht. Dort könnte er sein theoretisches Wissen mit Praxiserfahrung verbinden. Sobald er dort genug Kompetenzen aufgebaut hat, kann er versuchen, das Plastikproblem am Strand vor unserer Tür zu lösen. Wenn seine Kompetenzen dazu ausreichen und es funktioniert, dann an allen Stränden in Bali. Dann vielleicht an den Stränden von Indonesien, dann vielleicht in ganz Asien und anschließend vielleicht an allen Stränden der Welt. Auch hier gilt also: Immer den  nächstgrößeren Kreis ziehen!

 

Marius – ein Herz für Kinder

Dazu könnte er zunächst schauen, welche Hilfsorganisationen es in unserer Nähe gibt, und sich dort einbringen. Dort entwickelt er die ersten Kompetenzen. Wenn er genug aufgesogen hat, kann er seine eigene kleine Charity starten. Auch hier vergrößert er nach und nach seinen Kompetenzbereich. Dadurch vergrößert sich ganz natürlich auch sein Einflussbereich und er kann immer größere Kreise ziehen.

 

Manu – »Irgendwas Gutes«

Herz hat er, aber die Ideen fehlen. Der kleinste Kreis könnte für ihn bedeuten: Nimm dir jeden Tag etwas Zeit und beschäftige dich mit der Frage, was du für andere tun könntest. Denk darüber nach, schreib darüber in dein Journal, sprich mit anderen, such dir Inspiration – alles mit der Intention, etwas Authentisches für dich zu finden, womit du anderen dienen könntest. In diesem Vakuum werden Ideen entstehen. Und wenn du etwas Gutes gefunden hast, dann vergrößere deinen Kompetenzbereich, zieh den nächstgrößeren Kreis.

 

Fazit

Wir haben oft die Tendenz, gleich den größten Kreis zu ziehen – »Ich will Armut bekämpfen!« und anschließend wegen der gewaltigen Herausforderung zu erstarren. Und in dieser Paralyse verbringen wir dann unser Leben, voll mit noblen Intentionen, ohne je wirklich voran zu kommen. Das Gegenmittel lautet: 

Löse zuerst die unmittelbaren Probleme in deinem eigenen Leben. Und fange dann an, Kompetenzen aufzubauen, indem du mit dem kleinsten Kreis beginnst und dann immer größere Kreise ziehst. 

Wächst dein Kompetenzbereich, so wächst auch dein Einflussbereich. Bleib lange genug dabei und irgendwann bist du im Stande, die Welt zu retten. Oder immerhin die Omi neben dir im Flieger.

Oder hast du in Wahrheit eigentlich gar keine Lust dazu? Vielleicht schreibst du dir die globalen Probleme nur deswegen auf die Fahnen, um von deinen eigenen, unmittelbaren Problemen abzulenken. Wenn du zu dieser Kategorie gehörst und da auch nichts dran ändern willst, dann zieh den größtmöglichen Kreis, such dir das größte Problem aus. Versuch z. B. das Universum vor der Schwerkraft zu retten – da nimmt‘s dir keiner Übel, dass du nicht weißt, wo du anfangen sollst.

Aber wenn du die Anleitung zum Weltretten bis hierhin gelesen hast, dann meinst du‘s hoffentlich ernst. Also noch ein letztes Mal:

  1. Rette dich zuerst selbst – bring dein eigenes Leben in Ordnung.
  2. Baue Kompetenzen auf – ein kleiner, feiner Kreis nach dem anderen.
 

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